Wer als Webentwickler in Wien gesucht wird, bekommt schnell den Rat, „lieber eine Agentur“ zu nehmen – seriöser, sicherer, professioneller. Als Freelancer, der seit Jahren Websites und Shops in Wien und im DACH-Raum baut, kenne ich beide Seiten und mache in diesem Beitrag die ehrliche Rechnung auf: Was unterscheidet die Arbeit mit einem Freelancer von der mit einer Agentur wirklich – bei Preis, Kommunikation und der Frage, wer am Ende tatsächlich den Code schreibt? Und wann ist welcher Weg die ehrlich bessere Wahl? Ich argumentiere nicht gegen Agenturen, sondern gegen Mythen.
Der zentrale Unterschied: wer schreibt den Code?
Der wichtigste Unterschied wird selten offen ausgesprochen. Bei einem Freelancer sprechen Sie mit der Person, die Ihre Website tatsächlich baut. Bei einer Agentur sitzen zwischen Ihnen und dem Code oft mehrere Ebenen: ein Vertrieb, der verkauft, ein Projektmanager, der koordiniert, und irgendwo am Ende ein Entwickler – nicht selten ein Junior oder ein ausgelagerter Dienstleister –, der umsetzt, was durch mehrere Hände weitergereicht wurde.
Das ist nicht per se schlecht. Aber es erklärt zwei Dinge: warum die Kommunikation länger dauert (jede Info läuft über den Projektmanager) und warum der Preis höher ist (all diese Ebenen wollen bezahlt werden). Beim Freelancer fällt diese Kette weg – im Guten wie im Schlechten.
Warum das für Sie zählt: Wenn ich als Freelancer einen Vorschlag mache und Sie sagen „das gefällt mir nicht“, ändere ich es direkt, weil ich beides bin – der, der zuhört, und der, der umsetzt. In der Agenturkette muss diese Rückmeldung erst durch den Projektmanager zum Entwickler wandern, dort verstanden, umgesetzt und wieder zurückgemeldet werden. Jede Schleife dauert länger und birgt das Risiko, dass unterwegs etwas verloren geht. Bei einfachen Projekten ist dieser Umweg reiner Aufwand ohne Gegenwert.
Die ehrliche Preisrechnung
„Freelancer sind billiger“ ist zu einfach. Richtiger ist: Bei einem Freelancer zahlen Sie für Arbeit, bei einer Agentur zusätzlich für Struktur. Diese Struktur hat einen Wert – aber auch einen Preis, den man kennen sollte. Wohin das Geld fließt:
| Kostenposten | Freelancer | Agentur |
|---|---|---|
| Entwicklung | Direkt, eine Person | Entwickler, oft im Team |
| Projektmanagement | Meist inklusive (dieselbe Person) | Eigener Posten, wird mitverrechnet |
| Vertrieb / Overhead | Gering | Büro, Sales, Verwaltung im Stundensatz enthalten |
| Stundensatz-Bandbreite (AT, netto) | ca. 60–100 € | ca. 90–160 €+ |
| Skalierbarkeit | Begrenzt (eine Person) | Hoch (mehrere Gewerke parallel) |
Die Zahlen sind Orientierungswerte für den Wiener Markt, netto. Der Punkt ist nicht „Agentur = teuer, Freelancer = günstig“, sondern: Bei der Agentur zahlen Sie einen Aufschlag für Overhead und Prozess. Wenn Sie diesen Prozess brauchen – etwa bei einem sehr großen, komplexen Projekt mit vielen Beteiligten –, ist er sein Geld wert. Wenn nicht, zahlen Sie für Struktur, die Ihr Projekt gar nicht braucht. Eine ehrliche Übersicht meiner eigenen Preise finden Sie auf der Preise-Seite, und wie sich der Preis einer Website überhaupt zusammensetzt, steht im Beitrag Was kostet eine professionelle Website.
Kommunikation: direkt oder gefiltert
Der unterschätzte Faktor ist die Kommunikation. Beim Freelancer sagen Sie, was Sie wollen, direkt der Person, die es umsetzt. Kein Missverständnis, das durch drei Weiterleitungen entsteht, keine Verzögerung, weil der Projektmanager erst Rücksprache halten muss. Das macht Projekte schneller und Änderungen unkomplizierter – solange der Freelancer erreichbar und organisiert ist.
Dazu kommt ein Punkt, den viele erst im Projekt merken: Ein Freelancer, der selbst entwickelt, versteht Ihre Wünsche direkt in ihrer technischen Machbarkeit. Sie sagen, was Sie brauchen, und bekommen sofort eine ehrliche Einschätzung, ob es einfach, aufwendig oder unsinnig ist – ohne dass ein Vermittler die Information verwässert. In der Agenturkette geht diese fachliche Rückmeldung oft verloren, weil der Verkäufer zusagt, was der Entwickler später mühsam einlösen muss.
Die Kehrseite ehrlich benannt: Ein Freelancer ist eine Person. Wird er krank oder ist überlastet, gibt es keinen Kollegen, der einspringt. Eine Agentur puffert das ab. Das ist der eigentliche Wert der Agenturstruktur – nicht bessere Technik, sondern Ausfallsicherheit und Kapazität.
Ein guter Freelancer begegnet diesem Risiko aber aktiv: durch saubere Dokumentation, damit im Notfall ein Kollege übernehmen könnte, durch klare Absprachen zur Erreichbarkeit und durch ein Netzwerk anderer Selbstständiger, auf das er bei Spitzen zurückgreift. Fragen Sie danach – ein Freelancer, der auf die Ausfallfrage eine überzeugende Antwort hat, nimmt Ihnen genau das Argument, mit dem Agenturen am liebsten werben.
Der Mythos „Agentur ist seriöser“
Hartnäckig hält sich die Vorstellung, eine Agentur sei per se seriöser oder verlässlicher. Das verwechselt Größe mit Qualität. Seriosität hängt nicht an der Rechtsform, sondern an konkreten Dingen: nachweisbaren Referenzen, klaren Verträgen, sauberer Kommunikation und daran, ob am Ende jemand Verantwortung übernimmt. All das kann ein Freelancer genauso liefern wie eine Agentur – und eine schlechte Agentur liefert es trotz Größe nicht.
Der umgekehrte Mythos ist übrigens genauso falsch: „Freelancer sind flexibler und immer günstiger“ stimmt auch nicht pauschal. Ein überlasteter Einzelkämpfer ohne Prozess kann ein Projekt genauso verzögern wie eine träge Agentur. Entscheidend ist in beiden Fällen die konkrete Person und ihr Arbeitsweise – nicht das Etikett auf der Visitenkarte.
Wann welcher Weg – ehrlich beantwortet
Statt einer pauschalen Empfehlung eine ehrliche Entscheidungshilfe. Ein Freelancer ist meist die bessere Wahl, wenn:
- Sie ein kleines oder mittleres Projekt haben – Website, Firmenseite, überschaubarer Shop.
- Ihnen direkte Kommunikation und ein fester Ansprechpartner wichtig sind.
- Sie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis suchen, ohne Overhead mitzubezahlen.
- Sie Wert auf persönliche, langfristige Betreuung legen.
Eine Agentur ist die bessere Wahl, wenn:
- Ihr Projekt sehr groß und komplex ist, mit vielen parallelen Gewerken (Design, Text, Entwicklung, Kampagne).
- Sie garantierte Kapazität und Vertretung brauchen, auch bei Ausfall Einzelner.
- Ihr Unternehmen formale Prozesse, Ausschreibungen oder große Rahmenverträge verlangt.
Für die meisten Wiener KMU und Selbstständigen fällt die Antwort zugunsten des Freelancers aus – schlicht, weil ihre Projekte die Agenturstruktur nicht auslasten und sie deren Aufschlag ohne Gegenwert bezahlen würden. Wie ich als Freelancer arbeite, zeigt meine Webentwicklung im Detail.
Ein oft übersehener Punkt ist die langfristige Betreuung. Eine Website ist kein einmaliges Projekt, sondern begleitet Ihr Geschäft über Jahre – mit Updates, kleinen Änderungen, gelegentlichen Störungen. Bei einem Freelancer haben Sie über diese ganze Zeit denselben Ansprechpartner, der Ihre Seite kennt. Bei einer Agentur wechseln Projektmanager und Entwickler; wer nach zwei Jahren eine Änderung braucht, erklärt sein Projekt oft von vorne. Diese Kontinuität ist ein unterschätzter Vorteil der Zusammenarbeit mit einer festen Person – gerade dann, wenn schnell etwas repariert werden muss und keine Zeit für langes Onboarding bleibt.
Die versteckten Kosten der Agentur
Damit die Rechnung ehrlich bleibt, gehören die weniger sichtbaren Posten dazu, die im Angebot nicht immer auffallen:
- Der Overhead im Stundensatz. Büro, Vertrieb, Verwaltung, Geschäftsführung – all das steckt im Stundensatz, auch wenn nur ein Entwickler an Ihrem Projekt arbeitet.
- Der Projektmanager als Kostenstelle. Er koordiniert, schreibt aber keinen Code. Seine Stunden zahlen Sie mit – sinnvoll bei großen Projekten, überflüssig bei kleinen.
- Der Junior am echten Code. Verkauft wird oft mit den Referenzen der Senioren, umgesetzt wird von günstigeren Kräften. Fragen Sie konkret, wer baut.
- Die Wechselhürde. Manche Agenturen bauen so, dass ein Wechsel schwerfällt. Achten Sie auf Eigentum an Code, Zugängen und Domain.
Wieder: Das ist kein Vorwurf an Agenturen, sondern die ehrliche Beschreibung ihrer Struktur. Sie sollen wissen, wofür Sie zahlen – und dann selbst entscheiden.
Die richtigen Fragen an beide Seiten
Egal, ob Sie mit einem Freelancer oder einer Agentur sprechen: Mit den richtigen Fragen trennen Sie schnell Substanz von Verkaufsgerede. Ich würde diese stellen:
- Wer arbeitet konkret an meinem Projekt, und kann ich mit dieser Person sprechen? Die Antwort zeigt, ob Sie mit dem Umsetzer oder nur mit dem Verkäufer reden.
- Zeigen Sie mir drei live erreichbare Referenzen aus meinem Umfeld? Screenshots zählen nicht, echte Seiten schon.
- Was passiert nach dem Livegang – wer betreut die Seite, und was kostet das? Hier trennt sich der Partner vom Auftragnehmer.
- Gehören mir am Ende Code, Zugänge und Domain? Ein Nein oder ein Zögern ist ein Warnsignal.
- Wie erreiche ich Sie im Störfall, und wie schnell reagieren Sie? Eine verbindliche Antwort ist Gold wert.
Diese fünf Fragen kosten Sie zehn Minuten und ersparen Ihnen möglicherweise Monate Ärger. Wer darauf klar und ohne Ausweichen antwortet – Freelancer wie Agentur –, ist die Zusammenarbeit wert.
Fazit
Die Wahl zwischen Freelancer und Agentur ist keine Frage von seriös oder unseriös, sondern von Passung. Beim Freelancer zahlen Sie für Arbeit und sprechen direkt mit der Person, die den Code schreibt; bei der Agentur zahlen Sie zusätzlich für Struktur, Kapazität und Ausfallsicherheit. Für große, komplexe Vorhaben ist dieser Aufschlag berechtigt. Für die meisten Wiener KMU und Selbstständigen ist der Freelancer die ehrlich bessere Rechnung: gleiche oder bessere Qualität, direkte Kommunikation, kein Overhead. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern wer nachweislich baut, wie kommuniziert wird und wem das Ergebnis am Ende gehört.
Sie überlegen, ob ein Freelancer zu Ihrem Projekt passt, und wollen eine ehrliche Einschätzung? Schreiben Sie mir kurz über das Kontaktformular – ich sage Ihnen offen, ob ich der richtige Partner bin oder ob Ihr Vorhaben besser bei einer Agentur aufgehoben ist.
